Der Fluch

Brief an Momo

von Pippa

Liebste Momo,

nun ist es schon arg lange her, dass ich mich bei dir gemeldet habe, und bei der Arbeitsmoral der Barden und anderer Postträger in diesen Gefilden werden es bestimmt noch zwei zusätzliche Spannen sein, bis dich dieses Geschriebene erreicht. Ich vermisse dich und die Truppe sehr, vor allem, wenn ich mir vor Augen führe, wie meine Wandergruppe miteinander umgeht.  Dass natürlich nie eine so starke Familie wie bei uns enstehen kann, war mir von Anfang an bewusst, aber ein solch garstiger Ton und ein solches Nebeneinander-, ja fast Gegeneinanderleben, das trübt mein Gemüt doch zusehends.

Ich habe dir ja bereits in meinem letzten Brief von den Herren berichtet: Von Edge, dem Söldner, der so gar keine liebenswerte Seite an sich zeigen mag, von Fye, dem Zauberer, der denkt, er ist der Einzige mit Existenzberechtigung hier, und Elathiel, dem Waldläufer, den ich fast schon ein bisschen gern gewinnen konnte.

Was die Gesellschaft zu wünschen übrig lässt gleichen die Abenteuer aber fast wieder aus; und was für Abenteuer, Momo! Genau, wie ich es mir immer ersehnt habe! Ich weiß, für Halblinge ist es oft schwer nachzuvollziehen, aber ich weiß, du vertsehst mich, so wie du das immer getan hast. Jeder Tag bringt neue Menschen, riesenhaft Bäcker mit Piepsestimmen, kahle Barden die sich als Bordellbetreiber Taschengeld hinzuverdienen, verschwundene Fischer und echte Ritter und deren Väter. Sogar ein Veilchen habe ich schon geschenkt bekommen, und auch wenn es zermatscht und zerrupft war, so war es doch in meinen Augen das zarteste Blümelein. Ich glaube, die Leute hier sehen nicht zu viele Halblinge und schon gar keine weiblichen, deswegen wird mir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Gott sei Dank dass hier niemand von meinen diebischen Anwandlungen weiß, ich glaube, ich würde aus der Stadt katapultiert, so ehrlich sind die Leute hier.

Unser neuestes Abenteuer hat auch einen Kessel mit Blut, einen Stierkopf und einen echten Fluch beinhaltet. Kannst du dich noch an den Fluch des Senners vom Teufelsberg erinnern? Diesmal ist niemand gestorben, aber trotzdem kamen mir viele schlechte Erinnerungen in Gedächtnis. Ich hoffe, du und die Truppe sind immer in Sicherheit. 

Zu unserer Truppe hat sich auch noch ein weiteres Mitglied gesellt, und zwar der Vater vom Dorfritter. Er hat schon einige Sommer gesehen und ist auch definitiv nie nüchtern, aber stets freundlich zu mir und sehr kampferprobt. Und er scheint eine menschliche Seite am Söldner gefunden zu haben, was ich ihm hoch anrechne, denn mir ist es noch nicht gelungen.

Liebste Momo, wie immer schicke ich dir  das bisschen Geld das ich erübrigen kann und obendrein noch eine exzellente Kräutermischung; ein Aufguss wird bestimmt akute Muskelschmerzen lindern, oder helfen wenn dein Ischias mal wieder Probleme macht. Eines Morgends habe ich ein kleines Säckchen Gold unter meinem Kopfkissen gefunden, und ich habe auch eine Vermutung, wo es herkommt. Die Genauigkeiten meines Abenteuers erzähle ich dir, wenn wir uns wieder sehen, denn ich befürchte dass sie niedergeschrieben allzu fantastisch wirken.

Grüß alle recht lieb von mir und gib vor allem Konni einnen dicken Kuss

Bis hoffentlich bald,

deine dich liebende Pippa

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QueenBumblebee

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