Der Fluch

Zweiter Tagebucheintrag von Greta

Die Witwe hat genug gesehen

Liebes Tagebuch,

wie du weißt habe ich beschlossen, dem Quartett von gestern nachzustellen.  Das ist mir, wie erwartet, leicht gefallen, denn wer beachtet schon eine Witwe in Lumpen? Trotzdem wünschte ich, ich hätte es nicht getan. Mir ist schlecht, und das liegt nicht nur am Kater. Aber eins nach dem Anderen.

Der Tag ging ganz normal los. Erst mal sind die  vier zu den Merenos gegangen. Der Hänfling wurde dort als "Meister" angesprochen. Möglicherweise habe ich mich in ihm und seinen Fähigkeiten getäuscht, Äußerlichkeiten sind ja nicht alles. Der "Meister" durfte rein und die anderen wurden weggeschickt. Ich beschloss, vor dem Haus der Merenos zu warten, denn eine einzelne Person zu belauern schien mir vorerst sinnvoller, als dem Rest der Gruppe nachzusetzen. Die scheinen nämlich nicht wirklich auf Zusammenarbeit wert zu legen … manchmal reden sie einfach nicht miteinander, und irgendjemand läuft kommentarlos vom Rest der Gruppe weg. Komisches, verdächtiges Pack.

Der "Meister" verließ das Haus der Merenos schon bald wieder, in Begleitung vom alten Siggi. Er war mal wieder in sein lächerlich zu enges Ritter-Outfit aus dem vergangenen Jahrhundert geschlüpft. Das musste bedeuten, dass er die Sache genau so komisch findet wie ich. Besonders sympatisch war mir Mereno Senior trotzdem noch nie, dieser senile, alte Knacker.

Später ging die Gruppe gemeinschaftlich zum Magierturm. Ich mag den Magierturm nicht. Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu, erzählt man sich. Später kommen sie sicher wieder zurück in den Brandkessel, dachte ich mir, und habe dort auf sie gewartet.

Und da saß er – Raoul, mit einem kleinen Feilchen, was ihm sicher der Fleischer am Vorabend verpasst hat… Wir kamen ins Gespräch und er gab mir einen Kräuterschnaps nach dem anderen aus. Irgendwann bin ich zusammen gebrochen. Wie peinlich! Ich erinnere mich kaum noch an das Gespräch. Hoffentlich habe ich nichts blödes gesagt. Ich bin jedenfalls alleine in einem Zimmer im Brandkessel wieder aufgewacht, als die Wachen alarm schlugen.

Natürlich waren das Fremden-Quartett sowie Mereno Senior bereits auf dem Plan. Ich hatte also Recht mit meinem Misstrauen! Ehe ich mich versah, verschwanden sie außerhalb der Stadt. So leicht kommen sie mir nicht davon, und ich folgte ihnen.

Was ich am Ende des Weges sah, wird mich nie wieder loslassen. Ich wage noch nicht, dir zu beschreiben, was dort war, liebes Tagebuch. Wenn ich das zu papier bringe, wäre es das Eingeständniss an meinen Wahnsinn. Vielleicht war es auch noch die Restwirkung vom Kräuterschnaps.

Ochsen mit Skelett-Köpfen gibt es nämlich gar nicht…

Comments

McGnolli

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