Der Fluch

Der Weg zum Gemskogel

Von ausgehungerten Berglöwen und Tentakeln

Es ist nun drei Tage her, dass die Gruppe Leet und Elathiel damit auch Anna verlassen hatte. Er sehnte sich schon am ersten Abend, nachdem sie aufgebrochen waren, nach ihr. Hoffentlich könne er sie bald wieder in seinen Armen halten.

Sie machten die Bekanntschaft mit einem Elfen namens Bolzen. Elathiel wusste nicht so recht, was er von diesem Elfen halten sollte. Seine ganze Familie hatte wohl solch seltsame Namen. Sie waren in keinster Weise wohlklingend, sondern klangen hart und grob und erinnerten eher an Namen von einigen Menschen oder Zwergen. Auch das er eine Axt bei sich führte irritierte Elathiel. Diese grobschlächtige Waffe passte einfach nicht zu der leichtfüßigkeit und Eleganz der Elfen. Wenigstens führt einen Kurzbogen mit sich. Jedoch besitzt er nicht die nötigen Fähigkeiten, um ihn auch effektiv zu benutzen. Neben all der Seltsamkeiten um diesem Elfen erwies sich seine Heilkunst jedoch als sehr nützlich.

Beim Wandern durch die Berge wurde die Gruppe von einem Berglöwen angegriffen. Er überraschte Elathiel, biss ihn in die Schulter und hinterließ eine tiefe blutende Wunde. Die Gruppe konnte ihn in die Flucht schlagen und Elathiel erkannte, warum er sie angegriffen hatte. Er hatte es nicht aus Bosheit getan. Bei genauerer Betrachtung konnte man deutlich seine Rippen unter dem Fell erkennen. Das arme Tier musste schon seit Tagen nichts mehr gegessen haben. Der Hunger hatte das Tier zum Angriff bewogen. Die Gruppe hatte mehr als genug Vorräte und Elathiel wollte dem Tier etwas von seinen Vorräten überlassen. Doch die anderen erkannten nicht das Leid und den Hunger. Sie sahen in dem Löwen eine gefährliche Bestie, die es zu töten galt. Das arme Tier hatte keine Chance und wurde totgeschlagen. Danach machten sie sich darüber her, rissen wild und unkontrolliert an dem Leichnam herum, um etwas Fleisch von den Knochen zu lösen. Elathiel wollte damit nichts zu tun haben und wandte seinen Blick ab. Er konnte nichts mehr für das Tier tun. Stattdessen widmete er seine Aufmerksamkeit den beiden Bäumen, die perfekt symmetrisch neben den Weg standen. So hoch oben war es überhaupt ein Wunder auf Bäume zu treffen. So wie sie platziert waren, musste sie dort jemand mit Absicht gepflanzt haben. Die Frage war nur wieso?

Menschen können manchmal seltsam sein, doch so jemand wie Fye ist Elathiel noch nicht begegnet. Der Tag nährte sich dem Ende und die Gruppe erreichte den Eingang einer Schlucht. Die Gruppe beschloss, es wäre das beste hier zu rasten und morgen Früh die Schlucht zu erkunden. Doch Fye lief ohne ein Wort zu sagen in die Schlucht und reagierte nicht auf unsere Rufe. Wie man freiwillig in einer kalten und scharfkantigen Schlucht übernachten will, ist Elathiel ein Rätsel. Am nächsten Morgen holten sie ihn ein, noch bevor er aufwachte. Vielleicht sah er ja ein, dass es keine weise Entscheidung gewesen war.

Wenig später fand die Gruppe die Leichen von drei Orks, deren Körper auf seltsame Weise zertrümmert worden zu sein schienen. In einem Sack entdecken sie den grün und blau geschlagenen Edge. Er erzählte die Orks hätte ihn gefangen genommen und ein Jäger habe sich mit einer Karte "Der Wagenlenker" in die Hand geschnitten, worauf hin ein Wagen erschien, welcher von zwei großen Raubkatzen gezogen wurde und die Orks überrollte. Anscheinend sind noch andere Leute im Besitz von diesen Karten. Wenn sie diesen Jäger finden würden, könnte er ihnen vielleicht mehr über die Karte erzählen.

Die Gruppe setze ihren Weg durch die Schlucht fort, als plötzlich aus einer Felsspalte Tentakel nach ihnen griffen. Einer der Tantakel umschlung Elathiel. An der Innenseite waren sie rau und kratzen einem die Haut auf. Griff man sie an zogen sie sich zurück, woraufhin die anderen Tentakel einen versuchten zu packen. Plötzlich tauchte vor Elathiel wie aus dem nichts eine Gestalt auf, die Elathiel bisher nur aus finsteren Geschichten kannte. Das Wesen war humanoid, wahrscheinlich ein Mensch, doch die Haut war blass und begann bereits zu zerfallen. Die Augen des Wesens blicken ihn ausdruckslos und leer an. In diesem Körper existierte keine Seele. Dieses Wesen war ein mittels schwarzer Magie belebter Leichnam, welcher nur Tot und Zerstörung über die Lebenden bringen werden wird. Dieses Wesen war ein Untoter. Elathiel legten einen Pfeil an und schoss. Die Wucht des Aufpralls ließ den Untoten für einen Moment wanken, doch zeigte sich in seinem Gesicht nicht der Hauch von Schmerz. Fye wurde von einem Tantakel in die Luft gehoben. Er rief dem Untoten etwas zu und dieser stand still und sah zu, wie Fye von dem Tentakel mit den Füßen voran in ein riesiges mit Zähnen bespicktes Maul gesteckt wurde. Er schrie vor Schmerz. Pipper kletterte auf die Schultern von Egde, packte mit beiden Händen Fye und zog mit aller Kraft. Das Maul ließ von Fye ab und zog sich in die Spalte zurück, aus der es gekommen war.

Nachdem die Gruppe den Rand eines Waldes erreicht hatte kam Fye wieder zu Bewusstsein. Er erklärte, dass er in dem Buch aus dem alten Zaubererturm in Leet von Schwarzer Magie gelesen hat. Ein Dämon habe mit ihm Kontakt aufgenommen und nun sei er ein Schwarzer Magier. Elathiel konnte seinen spitzen Elfenohren nicht trauen. Schwarze Magie? Er ist nun mit einem Dämon im Bunde? Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Die Weissagung. Der Teufel ist unter uns. Es machte plötzlich alles Sinn. Vor ihn wollte uns die mysteriöse Frau warnen. Er wurde von den dunklen Mächten korrumpiert. Bolzen war dies ziemlich gleichgültig. Ist er denn von allen guten Naturgeistern verlassen? Elathiel merke den entsetzten Gesichtsausdruck von Pipper. Er trat an sie heran und flüsterte ihr ins Ohr, sie solle die Karte "Der Teufel" versuchen heimlich mit ihm in Kontakt zu bringen. Um Fye abzulenken stellte Elathiel Fragen an Fye über seine neuen Kräfte. Der plötzlich aus dem nichts auftauchende Zombie wurde von ihm beschworen. Nicht mal davor schreckte er zurück. Als Pipper die Karte gegen Fye von hinten drückte geschah nichts. Pipper und Elathiel forderten Fye auf die Karte in die Hand zu nehmen. Er tat es, doch nichts geschah. Schnell nahm Elathiel ihm die Karte wieder aus der Hand. Vielleicht müsse er sich mit dieser Karte in die Hand schneiden, so wie der Jäger mit dem "Wagenlenker". Doch nicht jetzt, wer weiß welche dunkle Mächte er beschwören würde, wenn er sich bedroht fühlt. Heute Nacht während der Nachtwache wenn er schläft…

Elathiel dachte genauer über die Karten nach. Sie schienen ohne Frage mächtige Magie zu enthalten, die genau in einer bestimmte Situation verwendet werden soll. "Der Teufel" bezog sich ohne Zweifel auf Fye, aber was hatte die zweite Karte zu bedeuten? "Die Liebenden"… Elathiel musste wieder an Anna denken. Er vermisste sie. Worauf hatte er sich hier nur eingelassen? Wäre er doch bei ihr in Leet geblieben. Diese Reise stellte sich als noch viel gefährlicher heraus als befürchtet. In diesen Bergen hausten nicht nur Orks, sondern auch riesige Monster mit Tentakeln. Anna…ob sich die Karte vielleicht auf sie bezog? Er liebte sie und sie ihn. Niemand sonst aus der Gruppe schien solche Gefühle für jemanden zu haben. Vielleicht könne er sie benutzten und ein wenig später wäre er bei ihr. Es soll Magie geben, mit der man große Strecken innerhalb eines Wimpernschlages zurücklegen kann. Leet soll in der Vergangenheit schon öfter von Orks angegriffen worden sein. Vielleicht war sie in Gefahr und die mysteriöse Frau wollte ihm eine Chance geben sie zu retten. Konnte das sein? Elathiel versuchte sich an die Worte der Weissagung zu erinnern. Die Erinnerung war schon fast verblast, doch was auch immer die myteriöse Frau zu der Karte "Die Liebenden" gesagt hatte, es klang nicht nach einer Warnung. Anna war in Sicherheit. Ganz sicher. Oder wenn er sich irrte? Bei diesem Gedanken wurde sein Magen ganz flau. Wenn er doch nur mehr über die Magie der Karten wüsste. Er müsse den Jäger finden, welcher Edge gerettet hat. Sicher würde er ihm mehr erzählen können. Vielleicht gehörte ihm ja das Lager im Wald. Sie waren noch nicht weit von der Schlucht entfernt und es konnte auch noch nicht lange her sein, dass der Jäger in der Schlucht war. Im Schnee und Eis hat er doch sicher Spuren hinterlassen. Warum hatte er daran nicht eher gedacht? Sie hätten nach Spuren suchen müssen, dann hätten sie dem Jäger folgen und finden können!

Anna…Er erinnerte sich noch gut, wie sie durch die Tür vom Brandkessel kam. Sie hatte die Haare so hübsch nach oben gesteckt und hatte sich schön zurecht gemacht. Elathiel war mit seiner schlichten Waldläuferkleidung ganz und gar nicht gut gekleidet. Doch Anna hatte das nicht gestört. Sie hatten einen wunderbaren Abend und eine ganz wundervolle Nacht zusammen verbracht. Auch wenn sie sich hübsch gekleidet und zurecht gemacht hat, als sie sich ganz nahe waren konnte er es riechen. Als Jägerin musste sie viel Zeit im Wald verbringen und irgendwann wird man eins mit dem Wald und nimmt auch seinen Geruch an. Anna haftete auch dieser Geruch an. Das mochte er so an ihr. Sie fühlte sich genau so verbunden zum Wald wie er. Wie gerne würde er sie jetzt einfach nur in den Armen halten…

Comments

Isedor

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.